2. Teil des Gesprächs von Dr. Wührl-Struller mit Dr. Franz Scherer – Thema Handwerk

FRAGE: Nun gibt es ja nicht nur die Zahnkosmetik, sondern auch die „ganz normale“ Zahnheilkunde. Auch hier gehen Sie einen ganz eigenen Weg?

FS: In der Tat: Zahnheilkunde bzw. die zahnärztliche Praxis besteht zu einem großen Teil aus Handwerk. Und wie bei jedem Handwerk, so ist es auch beim Zahnarzt: Maschinen und Materialien bringen Fortschritte und können die Arbeit erleichtern.
Das A und O bleibt aber immer die Sorgfalt beim Handwerk.

FRAGE: Lehnen Sie also neue Techniken ab?

FS: Keineswegs! Ich lehne nur ab, neue Materialien vorschnell einzusetzen, weil sie vermeintlich besser sind als herkömmliche, obwohl sie noch gar nicht ausreichend getestet sind. Hier hat die Industrie oft ein großes Interesse daran, Materialien und zugehörige Geräte in die zahnärztlichen Praxen zu drücken. Als Arzt kommen Sie dann aus einem einmal gewählten System kaum mehr heraus. Diesen Trend machen wir nicht mit.

FRAGE: Welche Materialien bevorzugen Sie?

FS: Ich wähle in jedem Einzelfall das passende Material aus. Generell gilt aber in meiner Praxis: Wir arbeiten ausschließlich mit einem „Best of“! Wir verwenden bewährte Materialien, von denen wir genau wissen, was sie können. Darum bieten wir die Sicherheit, dass wirklich in jedem Einzelfall eine optimale Zahnversorgung gewährleistet ist. Wir nehmen nicht das, was irgendein System eben hergibt, weil wir uns darauf versteift hätten! (neue Materialien und Geräte >)

FRAGE: Handwerk ist nicht nur Material. Was gehört bei Ihnen noch dazu?

FS: Eine ganze Menge – vor allem der Grundsatz „Erhalten vor Ersetzen!“ Die Zähne sind ein Teil eines lebendigen Körpers.

FRAGE: Ein sehr wichtiger sogar...

FS: Eben. Und einen wichtigen Teil sollte man nicht ohne Not entfernen und durch etwas Künstliches ersetzen. Darum versuchen wir stets zunächst zahnerhaltend vorzugehen.

FRAGE: Was ist Ihnen bei der Behandlung Ihrer Patienten noch wichtig?

FS: Derzeit ist Erneuerung um jeden Preis angesagt. Aber nicht selten ist es zum Beispiel sinnvoll, eine gelockerte, aber ansonsten funktionstüchtige alte Krone wiedereinzukleben oder eine ältere, aber bewährte Prothese im Labor aufarbeiten zu lassen. Das führt häufig zu objektiv gleichwertigen Ergebnissen und bedeutet für den Patienten zudem einen nicht unerheblichen Kostenvorteil.
Also: Warum nicht, wenn möglich, reparieren statt erneuern!

FRAGE: Sie ziehen aber die gründliche Arbeit schon vor?

FS: Unbedingt! Ein Klassiker in unserer Praxis ist zum Beispiel die so genannte Zement-Unterfüllung. Dabei decken wir nach dem Entfernen der Karies grundsätzlich die nervnahen Bereiche ab und halten somit „Chemie“ vom Zahnnerven fern. Dies hat sich seit Jahrzehnten bewährt, wird aber aus Zeitgründen nur mehr selten gemacht, obwohl neueste Studien diese Art der Behandlung wieder befürworten.

FRAGE: Groß in Mode ist die Zahnprophylaxe. Auch bei Ihnen?

FS: Prophylaxe ist bei uns nicht in Mode, sondern hat Tradition. Wir betreiben zusätzlich zur professionellen Zahnreinigung immer auch ein sogenanntes Biofilm-Management. Dabei wird der bakterielle Belag in den Zahnfleischtaschen mit Spezialinstrumenten regelrecht herausgelöffelt. Das dauert jeweils 60 Minuten für ein komplettes Gebiss. Mit modernen Pulverstrahlgeräten geht das zwar wesentlich schneller und kostengünstiger, aber angenehmer, schonender und meines Erachtens nachhaltiger – was Prophylaxe ja eigentlich sein sollte – ist das manuelle Vorgehen!